In Baden-Württemberg wurde 2009 mit 34 neugegründeten Genossenschaften ein Rekordstand erreicht. Dies stellte Präsident Gerhard Roßwog vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband anlässlich der Jahrespressekonferenz des Verbandes heraus. „Nach vielen Jahrzehnten hat damit die Gesamtzahl der Genossenschaften in Baden-Württemberg wieder zugenommen, von 840 auf 847“, sagte Roßwog. „Aufgrund von Verschmelzungen waren wir es lange gewohnt, dass die Anzahl der Genossenschaften abnimmt, trotz der Gründung neuer Genossenschaften. Nun erleben wir ein Interesse an der genossenschaftlichen Idee, wie wir es vor wenigen Jahren noch nicht für möglich gehalten hätten.“
Schwerpunkte der Neugründungen: Energie und …
Mit 16 registergerichtlich eingetragenen Neugründungen liegt der Schwerpunkt 2009 ganz klar im Bereich der Bürger-Energiegenossenschaften. „Sie tragen die Idee der Genossenschaft noch viel stärker in das Alltagsleben der Menschen hinein.“ Die Energiegenossenschaften sind in der Lage, viele Menschen in einer Gesellschaft zusammenzuführen, auch mit unterschiedlichem Kapitaleinsatz. „Das schafft so einfach nur die Rechtsform der eG“, betonte Roßwog.
In der Regel geht es bei den neuen Energiegenossenschaften darum, gemeinsam Fotovoltaikanlagen zu installieren und die Einspeisevergütungen zu nutzen. Dabei ist es in vielen Gemeinden auch ein Grundgedanke, im Sinne der Selbsthilfe für ein bisschen mehr Energie-Unabhängigkeit zu sorgen. Roßwog erwartet, dass der Gründungsboom bei diesen Genossenschaften wieder abebben wird.
Andere Neugründungen installieren Anlagen in Form der Kraft-Wärme-Kopplung. Sie produzieren zum Beispiel Strom mit einer Biogasanlage und verwerten die Abwärme. Auch die Schönauer Stromrebellen nutzen seit 2009 die Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft. Die Holding des bundesweiten Ökostromanbieters aus dem Schwarzwald wurde aus einer GbR in die Netzkauf EWS eG Schönau umgewandelt.
Gerade in den Bürger-Genossenschaften im Bereich Energie, aber auch bei den Dorfläden hat das ehrenamtliche Engagement einen außerordentlich hohen Stellenwert, betonte Roßwog. Ohne den persönlichen Einsatz vieler Beteiligter ginge es nicht. Neue genossenschaftliche Dorfläden wurden im vergangenen Jahr drei gegründet.
Schwerpunkte der Neugründungen: ...Gesundheit
Mit fünf neuen Genossenschaften war der Gesundheitssektor ein weiterer Schwerpunkt der Gründungswelle. Darunter waren die WoGA (Wohnen und Gesundheit im Alter eG) in Pfullendorf, die erste Genossenschaft für stationäre Pflege in Baden-Württemberg und die zweite in Deutschland, sowie die PädNetzS eG, Stuttgart. Vorstandsmitglied Dr. med. Thomas Kauth stellte die Genossenschaft vor, der 228 Kinderärzte aus Baden-Württemberg angehören.
Junge Genossenschaften: Die PädNetzS eG
Die PädNetzS strebt eine bessere Vorsorge bei Kindern an, sie organisiert einen gemeinsamen Einkauf und gemeinsame Forschung. „Wir wollen, dass Kinder am medizinischen Fortschritt teilnehmen können, dass sie in der Breite besser versorgt werden“, betonte Dr. Thomas Kauth. „Vorsorge ist das A und O.“ Die Ärzte sehen, dass vor allem Kinder an oder unter der Armutsgrenze leben. „Insbesondere für diese Kinder müssen die Chancen verbessert werden.“ Es gehe darum, Fehlernährung oder Sprachstörungen, die die Entwicklungschancen eines Kindes dauerhaft beeinträchtigen können, frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren.
Genossenschaftsinitiative fördert Neugründungen gemeinsam
Genossenschaftsverband und Wirtschaftsministerium in Baden-Württemberg sind gemeinsam in die Offensive gegangen. Sie werben für mehr Kooperation im Mittelstand und sie werben dafür, dies in der Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft zu tun. „Mit der Initiative wollen wir einen lange anhaltenden Aufschwung bei der Neugründung von Genossenschaften bewirken“, sagte Roßwog.
Teil der Genossenschaftsinitiative sind verbesserte Fördermöglichkeiten bei der Neugründung von Genossenschaften. Ab 2010 fördern der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband (BWGV) und das Wirtschafts-ministerium Baden-Württemberg neue Genossenschaften umfassend – in der Gründungsphase und in der Startphase. Einen Überblick über die Förderleistungen gibt es hier und in der Broschüre „Zukunft durch Kooperation“, die das Wirtschaftsministerium und der Genossenschaftsverband zu der Genossenschaftsinitiative herausgeben.
21. April 2010


