Das Teil ist etwa so groß wie ein Toastbrot, aber nicht einmal zwei Zehntel Millimeter dick. Es muss ganz, ganz sanft angefasst werden, denn das Material ist extrem brüchig - geschmolzenes, in feinste Scheiben geschnittenes Silizium. Wafer heißt dieses Teil in der Fachsprache; es ist das Grundelement für das Solarmodul, das auf dem Hausdach Sonnenlicht in Strom verwandelt.
In der Produktion von Solarmodulen kommt es darauf an, dass die Wafer im Sekundentakt vom Fließband oder vom Stapel gepackt und auf den hundertstel Millimeter genau für den nächsten Arbeitsschritt bereitgelegt werden. Bis zu 86.400 Mal am Tag. Nur so ist die Produktion wirtschaftlich, kann Solarstrom immer günstiger werden.
Der Wafergreifer der Firma Schmalz aus Glatten bei Freudenstadt im Schwarzwald ist die Hand eines Industrieroboters und bewegt seine Werkstücke im Sekundentakt, also mit hoher Beschleunigung. Trotzdem ist er so sanft, dass das spröde Silizium nicht zu Bruch geht, denn er arbeitet mit Vakuum. Genauer gesagt mit Unterdruck. An Hunderten von Saugstellen wird der normale Luftdruck reduziert. In diesem Sog wird der Wafer vom Fließband oder vom Stapel getragen.
Das Neue daran ist, dass der Schmalz Wafergreifer (SWG) erstmals verschiedene Anforderungen erfüllt: die magische Taktzeit von unter einer Sekunde, die sanfte Behandlung der Solarzellen, ohne einen „Fingerabdruck“ zu hinterlassen, und die Produktion unter Reinraumbedingungen. Mit dieser Innovation mischt die Firma Schmalz seit einem halben Jahr den Markt auf und dafür erhält sie am 23. Juni den VR-Innovationspreis 2010 der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg. Der Preis, der in diesem Jahr zum zehnten Mal verliehen wird, ist mit 25.000 Euro dotiert.
„Die Firma Schmalz gehört zu den Perlen unseres Mittelstandes“, würdigt Präsident Gerhard Roßwog vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband den Innovationspreisträger 2010. Das Unternehmen zähle auf dem Gebiet der Vakuumtechnologie zur Weltspitze. „Mit dem Wafergreifer ist es gelungen, eine etablierte Technologie auf einen neuen Markt zu übertragen. Bewundernswert ist die kurze Zeit von vier Monaten von der Idee bis zur Markteinführung im Mai 2009. Das belegt, dass Kundennähe, Innovationskraft und Flexibilität im Mittelstand in Baden-Württemberg zuhause sind.“
Die Firma J. Schmalz GmbH im Porträt
Die Firma J. Schmalz GmbH feiert in den nächsten Tagen ihr 100-jähriges Bestehen. Sie ist in dieser Zeit ein Familienunternehmen geblieben. Angefangen hat es 1910 mit Rasierklingen, in der nächsten Generation ging es um Transportgeräte. Die Vakuumtechnologie wurde in den 80er-Jahren von Dr. Kurt Schmalz eingeführt. Den Anstoß für die Vakuumlösung lieferte ein Kunde: Er wollte eine Holztüre so festhalten, dass er sie rundherum bearbeiten konnte. Zusammen mit seinem Bruder Wolfgang Schmalz leitet Dr. Kurt Schmalz auch heute das Unternehmen.
Mit dem Vakuum begann der rasche Aufstieg des Unternehmens aus dem idyllischen Ort im Schwarzwald. Aus einem Kleinbetrieb mit gerade 10 Mitarbeitern entstand ein mittelständisches Unternehmen mit weltweit 600 Mitarbeitern. Ohne Vakuumgreifer läuft heute in der Industrieproduktion nichts mehr, egal ob Zahnbürsten oder Kotflügel aus Metall „angefasst“ werden müssen, Spanplatten aus Holz oder Kartonagen. Durch die Vielfalt von Branchen, die Schmalz bedient, reagiert der Mittelständler weniger empfindlich auf Krisen. Dennoch musste das Unternehmen 2009 Umsatzrückgänge in Kauf nehmen; weltweit verzeichnet das Unternehmen einen konsolidierten Umsatz von 65 Mio. Euro. Die Arbeitsplätze der Stammbelegschaft wurden jedoch nachhaltig gesichert. Mitten in der Krise wurde im Dezember 2009 das größte Bauprojekt in der Unternehmensgeschichte, eine neue Produktionshalle für 16 Mio. Euro eingeweiht, ein Zeichen des Vertrauens in die Zukunft des Unternehmens.
Die Gesellschafter sind stolz auf ihr rasches Wachstum in einem internationalen Umfeld. 1998 begann die Globalisierung – mit einer Vertriebsniederlassung in der Schweiz. Die USA und Indien folgten schnell, heute sind es 16 Niederlassungen. Dabei ist Schmalz seiner Herkunft aus Glatten immer treu geblieben. Forschung und Entwicklung, Produktion, Montage – alles ist im Schwarzwald angesiedelt; lediglich in Indien gibt es eine kleine Produktion.
Der VR-Innovationspreis Mittelstand 2010 ist nicht die erste Auszeichnung für Schmalz: zum Beispiel 2004 Ökomanager des Jahres, 2005 Deutscher Preis für Wirtschaftsethik, 2006 Dr.-Rudolf-Eberle-Preis, 2007 Europäischer Solarpreis, 2009 Axia-Award für Personalmanagement.
Zwei Sonderpreise gehen nach Argenbühl und Aalen
Mit zwei Sonderpreisen zum VR-Innovationspreis 2010 der Volksbanken und Raiffeisenbanken werden die Firma Simaka Energie- und Umwelttechnik, Argenbühl-Göttlishofen (Kreis Ravensburg), sowie die Lobo electronic GmbH aus Aalen ausgezeichnet.
Simaka erhält den Sonderpreis für das Handwerk, der mit 15.000 Euro dotiert ist. Der Spezialist für Erdwärmesysteme wird für eine Innovation ausgezeichnet, die es ermöglicht, Abwärme im industriellen Bereich optimal wiederzuverwerten und damit einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz zu liefern. Die Anlagen haben sich zum Teil bereits nach einem halben Jahr amortisiert. „Volle Kraft zurück“ heißt das Motto für die Energierückgewinnungssysteme.
10.000 Euro gibt es für die Lobo electronic als Sonderpreis der Volksbanken Raiffeisenbanken. Das Aalener Laser- und Multimediaunternehmen wird für seinen „sparks-Laserprojektor“ ausgezeichnet. Die Innovation kam Anfang 2009 auf den Markt und gilt als der hellste in Serie gebaute Laser auf der Welt. Dazuhin ist er keine Energieschleuder mehr, sondern kommt mit einer Luftkühlung aus. Lasersysteme und Multimediatechnik von Lobo werden im Show- und Entertainment eingesetzt, auch auf Großereignissen von internationalem Rang.
Die Volksbanken Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg vergeben den VR-Innovationspreis Mittelstand in diesem Jahr zum zehnten Mal. Am
23. Juni wird er in Heilbronn verliehen. Teilnehmen konnten mittelständische Unternehmen mit Sitz in Baden-Württemberg, die maximal 100 Mio. Euro Umsatz machen und höchstens 500 MitarbeiterInnen beschäftigen.
Ihr Ansprechpartner beim Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband e.V.:
Reinhard Bock-Müller, Pressesprecher
Heilbronner Straße 41, 70191 Stuttgart
Fon 0711 222 13-27 70 Fax 0711 222 13-29 73 77
E-Mail: reinhard.bock-mueller@bwgv-info.de – www.bwgv-info.de
Ihr Ansprechpartner bei der Firma Schmalz:
Carina Saur, Marketing Kommunikation
Aacher Straße 29, 72293 Glatten
Fon 074 43 24 03-533 Fax 074 43 24 03-95 33
E-Mail: carina.saur@schmalz.de – www.schmalz.com
15. Juni 2010

